Erwartungen zerstören Erfahrungen

Erwartungen zerstören Erfahrungen

Oder: Leben ist das, was passiert, während du Pläne machst

Einmal die Lavendelfelder in der Provence sehen – das war mein Traum. Diese endlosen, violetten Teppiche unter der Sommersonne, das Summen der Bienen, der Duft in der Luft. Mein Mann fragte nur kurz: „Bist du dir sicher, dass du im Hochsommer in die Provence willst?!“

„Ja, klar!“, antwortete ich. „Der Lavendel blüht halt nur im Juni und Juli – die Hitze nehme ich dafür gerne in Kauf.“

Die Entscheidung: Camargue trifft Provence

Also planten wir unsere Reise und entschieden uns für einen Ort in der Mitte – zwischen der Camargue (die berühmten weißen Pferde wollte ich natürlich auch noch mitnehmen, wenn wir schon mal da sind) und der Provence. Unsere Wahl fiel auf Arles als Unterkunftsort.

Der erste Versuch: Auf der Suche nach Lila

Am ersten Tag fuhren wir in Richtung Avignon – voller Vorfreude auf die berühmten Felder. Doch: keine Lavendelblüte weit und breit. Sonnenblumenfelder, ja. Aber Lavendel? Fehlanzeige.

„Okay“, dachte ich, „wir sind ja auch nicht direkt im Herzen der Lavendelregion. Abwarten.“

Plan B: Lavendeldestillerie

Am nächsten Tag stand eine geführte Tour in einer Lavendeldestillerie auf dem Programm. Da muss es doch Lavendel geben!

Und ja – es gab ihn. Aber die Felder waren klein, die Pflanzen blass. Nicht das, was ich mir vorgestellt hatte.

Man erklärte uns, dass die Region zu nah am Wasser liege – Lavendel bevorzuge eher die trockenen Hochebenen.

Valensole: Das Herz des Lavendels?

Unsere Hoffnung ruhte auf dem nächsten Tag: Valensole, die Lavendelhochburg schlechthin. Wir fuhren früh los, das Morgenlicht sollte besonders schön sein.

Und tatsächlich – endlich: weite Felder, Lavendel soweit das Auge reicht. Doch auch hier: blasse Farben, nicht annähernd so leuchtend wie auf den Bildern im Internet.

Enttäuschung machte sich breit. Wir hatten alles beachtet, was in den Reiseführern stand. Warum wollte sich kein WOW-Erlebnis einstellen?

Ein Umweg, der alles veränderte

Etwas desillusioniert fuhren wir weiter, machten Halt in Allemagne-en-Provence, tranken einen Kaffee und sammelten uns.

Ein letzter Versuch blieb: die berühmten Lavendelfelder vor der Abtei Sénanque – der Fotohotspot schlechthin. Zwei Stunden Fahrt lagen vor uns.

„Egal“, sagten wir uns. „Wir haben Urlaub. Die Provence ist wunderschön. Lass uns einfach losfahren, anhalten, wo es uns gefällt – und die Lavendelfelder einfach Lavendelfelder sein lassen.“

Und dann kam Roussillon

Wir hielten spontan in Roussillon – der Ockerstadt. Schon mal gehört, mal im Fernsehen gesehen, aber nie richtig auf dem Schirm gehabt.

Und was wir dort sahen, hat uns schlichtweg umgehauen. Die ockerfarbenen Felsen, die beeindruckende Landschaft – ein absoluter Glückstreffer.

Wir waren uns einig: Das ist unser persönliches Highlight der Reise.

Und der Lavendel?

Ja, wir sind später noch bei den Feldern der Abtei angekommen. Sie waren schön. Wirklich schön. Und wir haben auch ein paar tolle Bilder gemacht.

Aber sie waren nicht wie die perfekt belichteten, mit Photoshop bearbeiteten Fotos aus dem Internet.

Und dann kam die Erkenntnis:

Der Lavendel blüht nicht auf Knopfdruck, nur weil Bettina um die Ecke kommt und das perfekte Foto machen will.

Er blüht, wann und wie es ihm passt – mal kräftig, mal blass. Und dabei ist er in jedem Stadium schön. Ein Paradies für Bienen und Insekten.

Er braucht keine Filter, keine Erwartungen – er ist einfach.

Fazit: Erwartungen zerstören Erfahrungen

Meine eigene Vorstellung hatte mir den Blick auf die wahre Schönheit im ersten Moment verstellt.

Doch dann, als ich die Erwartungen losließ, kamen die besonderen Momente ganz von selbst. Nicht geplant. Nicht inszeniert.

Ein perfekter Tag in der Provence – nur eben ganz anders, als erwartet.

Denn: Leben ist das, was passiert, während du Pläne machst.

Also: Lass deine Erwartungen los. Mach dich offen für das, was dir begegnet. Und lass dich überraschen. Das Leben ist voller kleiner Wunder – wenn du sie lässt.

 

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