Ich kuendige -

Ich kuendige -

oder:

Nur weil etwas richtig ist, muss es sich noch lange nicht gut anfühlen..

Jetzt sitze ich hier an meinem Schreibtisch, habe gerade meine Kündigung unterschrieben und weine. Ich lasse meinen Tränen freien Lauf.

„Nach knapp 31 Jahren im Landkreis blicke ich mit Dankbarkeit auf viele Erfahrungen, Begegnungen und gemeinsame Wege zurück. Für die Zusammenarbeit und die Zeit, die ich hier verbringen durfte, danke ich von ganzem Herzen“ steht da.

Und ja, ich bin dankbar für alles und vorallem für die Entwicklung, die ich hier machen durfte. Man hat mich gefördert und gefordert, an meine Grenzen und darüber hinaus gebracht.

Besonders die letzten 3 Jahre waren sehr herausfordernd für mich, so dass ich am liebsten sofort gekündigt und weggelaufen wäre. Aber ich habe mich den Veränderungen gestellt, Wege gesucht sie mitzugehen, mich anzupassen, das große Ganze zu sehen. Frieden zu machen. Und ja, ich verstehe, dass diese ganzen organisatorischen Dinge, die von außen auf uns alle eingeprasselt sind notwendig waren.

Vorallem aber waren sie notwendig um mich aus meiner Komfortzone zu schubsen. Das Leben zwang mich, mich mit mir selbst und meinen Werten zu beschäftigen. Mich zu hinterfragen und vorallem meine eigenen Bedürfnisse wirklich wahrzunehmen.

Ich habe mich lange gewehrt und mir selbst immer wieder die Dinge schön geredet. Aber irgendwann lies sich die Wahrheit einfach nicht mehr verdrängen. Meine Zeit hier ist vorbei.

Gerade die letzten Jahre an „meiner“ Schule waren für mich eine absolute Bereicherung. Ich durfte dort soviel Vertrauen und Wertschätzung erfahren wie selten zuvor. Ich habe meine Arbeit dort wirklich gerne gemacht, auch, wenn sie vielleicht nicht mehr unbedingt das war, was mir wirklich entspricht.

Doch „meine“ Schule gibt es nicht mehr. Und damit ist auch ein Großteil meines Sinns weggefallen.

Ich habe versucht einen neuen Sinn zu finden.
Ich fand ihn außerhalb des Jobs. Ich fand ihn in meiner Berufung. Ich fand ihn meiner Praxis. Ich fand ihn in der Begleitung von Menschen, die wie ich, gerade nach ihrem Sinn, nach sich selbst suchen. Die wieder bei sich selbst ankommen wollen und wieder Freude und Leichtigkeit empfinden wollen, genau wie ich, wenn ich sie begleiten darf mit meiner Erfahrung, meinem Wissen, meiner Intuition und meinem Herzen.

Tatsächlich ist diese Diskussion um eine Kündigung nicht neu. Bereits seit meinem Unfall und den ganzen Veränderungen auf der Arbeit ist dieser Gedanke, den Job hinzuschmeißen und mich nur noch voll und ganz auf meine Praxis zu konzentrieren immer mal wieder Thema bei uns gewesen. Damals war mein Mann davon so gar nicht überzeugt und geriet jedesmal wenn ich das Thema ansprach fast in Panik.. Also versucht ich mich in Kompromissen.

Die körperlichen Folgen des Unfalls waren noch spürbar, die Trauer um meinen Vater noch zu präsent. Ich fühlte mich wie in einem luftleeren Raum.

Ich machte Therapie, stellte auf, arbeitete energetisch und redete mir die Dinge schön. Nach meiner Reha ging es mir wieder richtig gut. Ich hatte Energie, war voller Ideen und Lebensfreude. Und ich hatte mir vorgenommen, dass ich das auch in meinen Arbeitsalltag übertragen wollte. Ich hatte Stunden reduziert und mich von einigen für mich stressbelasteten Aufgaben befreit. Auch sollte ein Umzug an den neuen Standort für einen Neustart sorgen.

Nach ca 4 Wochen lies die Motivation langsam nach. Der geplante Umzug zog und zog sich in die Länge. Mir fehlte die Energie mich wirklich darum zu kümmern. Es wurde mir alles zunehmend gleichgültiger. Ich zog mich immer mehr zurück, ging immer häufiger ins Homeoffice. Auch meine Ausfallzeiten wurden wieder mehr.

Außerdem hatte ich das dumpfe Gefühl nach der Kur nicht mehr richtig im Job angekommen zu sein. Ich fand in keine Routine, kam nicht so richtig in Flow. Leider kamen mit der Energielosigkeit und der fehlenden Motivation auch meine Atemprobleme zurück. Waren die Symptome nach der Reha fast kaum noch da wurden sie jetzt wieder häufiger und zum Schluss wieder so schlimm, dass ich nachts nicht mehr schlief und die Panikattacken zurück kamen.

Also fragte ich mein Seelenfeld, was die Ursache der Atemsymptomatik ist. Die Antwort war erstmal banal und eine, ich nenn es mal typische Antwort des Feldlesen.
Du nimmst dir nicht genügend Raum für dich.

Ok.. ich dachte das tu ich schon, aber weiter im Text.
Du übernimmst dich, du bist am ertrinken und schnappst immer wieder nach Luft. Dein System hat Angst zu sterben.

Ok, das traf es schon etwas besser, denn meine Atmung fühlt sich tatsächlich so an, als wenn ich zwanghaft nach Luft schnappen muss, obwohl alles völlig normal ist.

In welchem Bereich übernehme ich mich? Praxis, Pferde, Hauptjob ?!

Im Hauptjob kam die klare Antwort. Die Praxis gibt dir Luft. Auch das stimmte, denn immer wenn ich Termine habe bin ich voller Freude und Energie.

Ok, also im Hauptjob. Ich hatte tatsächlich schon darüber nachgedacht meine Stunden noch weiter zu reduzieren, aber das Feld war anderer Meinung.
KÜNDIGEN, komplett aufhören.

Das wollte ich nicht hören !!!!!!
Ich hatte es mir gerade schön geredet, dass ich meinen Hauptjob einfach soweit runterregel, dass meine Fixkosten bezahlt sind und die Praxis einfach nur ein Zubrot werden sollte. NEIN, meine Seele möchte es anders.

Wie soll ich das denn jetzt meinem Mann erklären ?!
„Schatz, das Seelenfeld hat gesagt ich soll kündigen, dann gehen meine Symptome weg und meine Praxis wird auch laufen.“

Ja klar, der zeigt mir nen Vogel und fragt mich, ob ich noch alle Tassen im Schrank habe, dachte ich.

Und dann ging es los.
Die Stimmen. Die Zweifel. Die Angst.

„Ist das wirklich Dein ernst ? Du willst deinen sicheren Job in der Verwaltung aufgeben für eine Selbstständigkeit, die aktuell nur Verlust macht ? Du hast doch nichts auszustehen. Du arbeitest 4 Tage die Woche und hast alle Freiheiten der Welt. Und sooo schlimm ist es ja nun auch wirklich nicht da…
Du willst das schöne Leben mit 4 mal im Jahr in Urlaub fahren, nicht darüber nachdenken zu müssen wann und wie das nächste Mal Geld reinkommt, die Sicherheit, dass immer Geld da ist, das willst du einfach so wegschmeißen?
Du willst deinem Mann zumuten, dich auszuhalten, jetzt wo auch er endlich finanziell aufatmen könnte, weil die Kinder auf eigenen Beinen stehen?

Das alles willst du tun ohne zu wissen, ob deine Atmung dann wirklich besser wird ? Das willst du alles aufgeben, nur weil dein Seelenfeld gesagt hat kündige ?!?

Ich wiederhole, ist das wirklich dein Ernst ?!?!“

Das meine Lieben, waren keine Sätze die mir im Außen gesagt wurden. Das sind Sätze, die ich mir selber gesagt habe, nachdem ich, mit meinem Mann zusammen, die Entscheidung getroffen hatte, tatsächlich zu kündigen.

Da stand ich nun also heulend vor meinem Mann und erzählte es ihm genau so und seine Reaktion war:

„Dann müssen wir das wohl so machen. Das bekommen wir hin.“

Da wusste ich dann auch wieder, warum ich ihn geheiratet hatte. Auch wenn er mit diesen ganzen Spirisachen nicht wirklich viel anfangen kann, er hinterfragt es nicht, sondern spürt, wann es echt ist und steht dann bedingungslos hinter mir.

Und genau deshalb lasse ich jetzt das los, was mir die letzten 30 Jahre Sicherheit gegeben hat um das zu tun, was meine Seele erfreut und was meinem Leben einen echten Sinn gibt.

Ich kündige…

Ich kündige meinen sicheren Arbeitsplatz in der Verwaltung nach 31 Jahren.. ohne zu wissen ob meine Praxis wirklich tragfähig sein wird. Ohne zu wissen, ob meine Symptome wirklich besser werden. Ohne zu wissen wie sich die Dinge entwickeln werden. Ich kündige meinen sicheren Arbeitsplatz in Zeiten der absoluten Unsicherheit.

Und ich habe eine scheiß Angst, aber ich bin mir sicher, dass es das beste sein wird, was ich jetzt in meinem Leben machen kann.

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